Datum: 28.11.2007
Kultusminister Helmut Rau: "Wir sind besser geworden, wir sind aufgestiegen, wir haben alle mitgenommen "IGLU bestätigt unser Grundschulkonzept"
Kurzbeschreibung: Die Einführung des Orientierungsplans, der neuen Bildungspläne, des Projekts "Schulreifes Kind" sowie der Grundschulfremdsprache zeigen Wirkung
„Es freut mich, dass die bundesweiten Ergebnisse der internationalen Grundschul-Leseuntersuchung IGLU 2006 für Deutschland sehr positiv ausfallen und die deutschen Grundschulen im Vergleich zu den Ergebnissen aus dem Jahr 2001 deutlich besser abgeschnitten haben. Damit platziert sich Deutschland bei dieser internationalen Studie im oberen Viertel aller Teilnehmerstaaten“, erklärte Kultusminister Helmut Rau am Mittwoch (28. November) in Berlin anlässlich der Veröffentlichung der Ergebnisse von IGLU 2006. Baden-Württemberg habe bereits bei der ersten IGLU-Studie im Jahr 2001 Spitzenergebnisse erreicht. Seither sei ein Bündel an bildungspolitischen Maßnahmen beschlossen worden, das auf weitere qualitative Verbesserungen in der frühkindlichen Bildung und in der Primarstufe abziele. „Ich bin zuversichtlich, dass sich dies in den länderspezifischen IGLU-Ergebnissen, die Ende 2008 erwartet werden, niederschlagen wird und Baden-Württembergs Grundschulen ihren bundesweiten Spitzenplatz behaupten werden“, erklärte Kultusminister Helmut Rau.
Im Bereich der Lesekompetenz hat Deutschland mit 548 Punkten eine Steigerung um neun Punkte im Vergleich zu den Ergebnissen 2001 erzielt. Das bedeutet, dass Deutschland europaweit bei den Viertklässlern die besten Leseleistungen vorzuweisen hat. „Das ist die Feststellung der Forscher, die diese Daten aufgearbeitet und interpretiert haben“, erklärte Rau (siehe Anhang).
Die Ergebnisse bei der so genannten Risikogruppe, das heißt bei den Schülerinnen und Schülern, die nicht über genügend Kompetenzen verfügen, haben sich verbessert. Nur Hongkong und die Niederlande weisen bessere Werte auf. „In den meisten Ländern werden die Risikogruppen größer. In Deutschland nehmen sie ab. Die gezielte Förderung sozial benachteiligter Kinder ist nach wie vor dringend erforderlich. Wir sind dabei aber auf dem richtigen Weg. Das hat uns IGLU bestätigt.“
Aus der Studie geht hervor, dass Kinder, die länger als ein Jahr eine Vorschule oder einen Kindergarten besucht haben, signifikant bessere Leseleistungen aufweisen, als diejenigen Kinder, die diese Einrichtungen kürzer als ein Jahr besuchten. “Das bestätigt den von uns eingeschlagenen Weg im Bereich der frühkindlichen Bildung. Auf lange Sicht werden die frühe Förderung der Kindergarten- und Grundschulkinder die erhofften Früchte tragen, davon bin ich überzeugt“, sagte Rau. Die Einführung des Orientierungsplans in Kindergärten und damit verbunden die landesweite Fortbildung der rund 38.000 Erzieherinnen und Erzieher, die Erprobung von Bildungshäusern für 3 – 10-jährige Kinder, die neu konzipierte vorgezogene Schuleingangsuntersuchung mit einer Sprachstandserhebung sowie das Projekt „Schulreifes Kind“ seien, so Rau, ein aufeinander abgestimmtes Konzept, das konsequent vorangetrieben werde.
„Im Grundschulbereich wurden seit IGLU 2001 entscheidende Neuerungen durchgeführt. Baden-Württemberg hat als erstes Bundesland im Rahmen der Bildungsplanreform 2004 Bildungsstandards für alle Schularten eingeführt. Im Sinne ganzheitlichen Lernens werden kognitive, methodische, soziale und personale Kompetenzen dabei miteinander verzahnt. Unsere Bildungspläne zählen europaweit zu den modernsten. Diese Umstellung des Unterrichts wird sich in Zukunft in den Leistungen unser Schülerinnen und Schüler niederschlagen“, so der Minister. Außerdem wurde im Schuljahr 2003/04 auch der Fremdsprachenunterricht an den Grundschulen eingeführt. Um die Qualität an den Schulen zu sichern und konstant weiterzuentwickeln seien die Schulen seit diesem Schuljahr auch verpflichtet, ihre Arbeit zu evaluieren.
Die Auswertungen von IGLU 2006 belegen, dass die Leseleistungen von Kindern aus Familien mit Migrationshintergrund nach wie vor schlechter ausfallen, als die von Kindern ohne Migrationshintergrund. „Aber die Schere hat sich ein Stück weit geschlossen. Das bestätigt unsere Förderkonzepte.
Wir sind dringend gefordert, weitere Maßnahmen der Sprachförderung nicht nur für die Kinder sondern auch für ihre Eltern auf den Weg zu bringen“, sagte der Kultusminister.
Laut der neuen IGLU-Studie müssen Kinder aus so genannten bildungsfernen Elternhäusern bessere Leistungen erbringen, um gleichwertige Empfehlungen für die weitere Bildungslaufbahn gegenüber Kindern aus bildungsnahen Elternhäusern zu erhalten. „Das ist unbefriedigend. Wenn wir im nächsten Jahr die Ergebnisse der Studie für die einzelnen Länder haben, müssen wir das Übergangsverfahren noch einmal genau anschauen und gegebenenfalls Veränderungen vornehmen. Als großen Vorzug sehe ich es gerade in diesem Zusammenhang an, dass es bei uns viele Möglichkeiten gibt, zu höheren Bildungsabschlüssen zu kommen“, sagte Rau. „Wenn 50 Prozent der Zugangsberechtigungen für Fachhochschulen und Hochschulen in den beruflichen Schulen erhoben werden, ist das der beste Beleg für die Durchlässigkeit in unserem Schulsystem“, so der Kultusminister weiter.
Weitere Informationen zur IGLU-Studie:
www.ifs.uni-dortmund.de/iglu2006
Anhang:
Nach Erklärung von Prof. Bos ist die Abbildung 5 (Gesamtskala Lesen) der IGLU-Studie erläuterungsbedürftig:
Die Russische Föderation und die kanadischen Provinzen haben eine vielfach höhere Ausschlussquote von Schülern, das bedeutet, Schüler, die gezielt aus den Testgruppen ausgeschlossen worden sind. Deutschland hat mit 0,7 % mit Abstand die niedrigste Ausschlussquote, Russland hat mit 7,7% eine 11 Mal höhere Quote. In Luxemburg wurden Schülerinnen und Schüler der 5. Klasse getestet. Die Platzierungen von Italien, Ungarn, Schweden, die nominell vor Deutschland liegen, befinden sich in einem „nicht signifikanten Bereich“, so dass sie von der Wissenschaft als gleichwertig betrachtet werden. Lediglich Hongkong und Singapur sind tatsächlich signifikant besser platziert.

